Kanuschulsport - Sicherheitslehrgang
Für Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher sowie für alle, die in der Kinder- und Jugendarbeit tätig sind, führt der LKV-Niedersachsen 12-stündige Sicherheitskurse durch.
Veranstaltungsort ist das Deisterbad in 30890 Barsinghausen, Einsteinstraße. Veranstaltungstage sind jeweils Samstags 18.00 bis 20.00 Uhr. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Vermittelt werden sollen Grundkenntnisse über Gefahren im Kanusport, präventive Maßnahmen, die Beherrschung der Kenterrolle (Eskimorolle), Techniken des Sicherns, Bergens und Rettens, die Kenntnis über die adäquate Ausrüstung, u.v.m.. Die regelmäßige und erfolgreiche Teilnahme wird bescheinigt. Bei ausreichendem Bedarf kann weiterführend auch der DLRG-Schein in Bronze erworben werden. Die Teilnehmergebühr beträgt pro Teilnehmer 60,00 Euro. Darin sind der Eintritt und die Trainerstunden enthalten. Das Material (Boote, Paddel, Weste) etc. wird gestellt.
Anmeldungen an Heribert Giegerich (Schulsportreferent des LKV-Niedersachsen) Goethestraße 18, 30890 Barsinghausen, Tel.: 05105/4560, E-Mail: hsamg@t-online.de
Eskimorolle und Sicherheitstraining für Lehrer, Sozialpädagogen und Erzieher im Deisterbad Barsinghausen, Einsteinstraße
Am Samstag, den 19. November 2005 um 18:00 Uhr begann erneut wie in den Vorjahren eine, speziell für Lehrer, Sozialpädagogen und Erzieher konzipierte Fortbildung des Landeskanuverbandes Niedersachsen. Es handelte sich hierbei um eine Veranstaltung für Neueinsteiger und noch nicht fortgeschrittene Kanuten.
Inhalte der insgesamt 12-stündigen Fortbildung waren Grundtechniken, Sicherheitstraining, das Erlernen der Eskimorolle und umweltpädagogische Aspekte im Kanusport mit Kindern und Jugendlichen. Die Fortbildung umfasste insgesamt 6 zweistündige Termine. Am letzten Tag (11.02.06), an dem u.a. einige der vermittelten Techniken noch einmal per Video demonstriert wurden,
konnte Kursleiter Heribert Giegerich, Referent für Kanuschulsport im LKV Niedersachsen, den Teilnehmern den vom LKV Niedersachsen zertifizierten Abschluß überreichen.
Protokoll der schulinternen
Lehrerfortbildung "Erlebnispädagogik
auf dem Wasser / Kanusport und politische Bildung"
vom 29.07. bis 31.07.2002 in Berlin
Teilnehmer: siehe Anlage
Leitung: Heribert Giegerich
Referent: Klaus Liebmann (DKV)
Ziel der Fortbildung
war es, neue Möglichkeiten und Konzepte zu entwickeln und zu
erproben, die das Erleben und Begreifen politischer Vergangenheit
und Gegenwart mit dem Spaß der sportlichen Ertüchtigung
verbinden. Im Hinblick auf die einzigartige politische
Vergangenheit der Hauptstadt Berlin, und die hervorragenden
wassersportlichen Bedingungen in dieser Stadt, sowie den direkten
Zugang zu historischen Stätten und geschichtsträchtigen
Bauwerken vom Wasser aus, bot es sich an, diese Fortbildung mit
Kajak und Canadier auf den Gewässern Berlins durchzuführen.
Auch ging es darum zu Erproben, für welche Schulformen sich
Exkursionen dieser Form mit sportlichen und politischen Inhalten
eignen, bzw. wie sich Verlauf und die Methodik bei den
unterschiedlichen Schulformen - schülerzentriert - unterscheiden
müssen.
Hierbei war der Aspekt, in wie weit durch erlebnispädagogische
Komponenten die Ich-, Sach-, und Sozialkompetenz
verhaltensauffälliger oder -gestörter Schülerinnen und
Schüler positiv gefördert werden kann, von besonderem
Stellenwert.
Vorbereitung:
Den
Fortbildungsteilnehmern und dem Leiter waren die örtlichen
Gegebenheiten und Besonderheiten nur unzureichend bekannt.
Deshalb war ein ortskundiger versierter Referent des Deutschen
Kanu Verbandes gebeten worden, die Teilnehmer auf dem Wasserweg
durch Berlin zu begleiten und die Historie der Stadt vom Wasser
aus zu erklären. Eine geeignete Unterkunft musste gesucht werden
- hierbei war der direkte Zugang zum Wasser wichtig. Gewählt
wurde ein Platz zum Zelten auf dem Gelände des Kanu
Klub Charlottenburg direkt an der Havel.
Die Wasserschutzpolizei wurde im Vorfeld um eine
Befahrungserlaubnis des Spreebogens ersucht - leider vergebens.
Es wurde deshalb eine Alternativstrecke durch den Landwehrkanal
gewählt. Für Fahrt und Verpflegung sorgten die Teilnehmer
selbst in Absprache.
Anreise
war am Montag bis 18.00 Uhr festgelegt. Allen Teilnehmern war
eine Anfahrtsbeschreibung mit Skizze, sowie ein vorläufiges
Programm zugegangen.
Verlauf:
Montag, 29.07.
19.00 Uhr:
Begrüßung
der Teilnehmer und des Referenten Klaus Liebmann im Vereinshaus
des KKC. Danach wurde das Programm des nächsten Tages besprochen.
Anschließend gemeinsames Essen der Teilnehmer mit dem Referenten.
Dienstag, 30.07.
8.00 Uhr:
Gemeinsames
Frühstück. Die Sonne brennt bereits. Die Tagestemperatur soll
heute noch bis 35° erreichen.
9.00 Uhr:
Abladen
der Boote und letzte Vorbereitungen auf die Tagestour nach Berlin-Mitte.
9.30 Uhr:
Beginn der
Bootstour. Wir fahren von Berlin Spandau (Pichelsdorf) ein Stück
auf der Havel in westlicher Richtung bis zur Spreemündung, hier
gesellt sich unser Referent Klaus dazu. Wir fahren die Spree
aufwärts durch Spandau. Im weiteren Verlauf befinden sich an
beiden Ufern überwiegend Industriebauten, dazwischen aber auch
immer wieder Schrebergärten und Wohnbebauung. Wir stellen fest,
dass auch im Industriegebiet sehr viel Grün vorhanden ist.
Die Spree ist eine stark befahrene Bundeswasserstraße. Wir müssen uns auf den Verkehr konzentrieren, denn auch auf dem Wasser gelten internationale Verkehrsregeln. Das Einfahren in die Bugwellen der größeren Schiffe macht spaß, sollte aber nicht von Anfängern, die noch unsicher sind, ausprobiert werden. Nach ca. 8 Km erreichen wir eine weithin sichtbare Industrieanlage. Klaus informiert uns über ihre Geschichte. Es handelt sich um das Kraftwerk Reuter. Es wurde von den West-Alliierten während der Berlin-Blockade in Rekordzeit errichtet, um den Energiebedarf Westberlins sicher zu stellen. Später wurde das Kohlekraftwerk mehrfach erweitert.
Die Strömung, der Gegenwind und die Hitze machen uns zu schaffen. An der Charlottenburger Schleuse beschließen wir, nur in eine Richtung bis Berlin-Zoobrücke zu fahren und dort die Boote mit dem Trailer abzuholen - das war eine gute Entscheidung, denn die Rückfahrt hätte sicherlich bis in die Nacht gedauert. Das Schleusen ist für viele ein neues Erlebnis. Hier ist es besonders wichtig, die Rangordnung des Ein- und Ausfahrens einzuhalten. Der Schleusenwärter war mit dem Verhalten einzelner Kanuten nicht so ganz einverstanden und äußerte dies uns gegenüber auch entsprechend.
Hinter der Charlottenburger Schleuse beginnt der schönste und interessanteste Teil der Strecke. Wir machen erst einmal eine Pause am Rand des Schlossparks vom Schloss Charlottenburg. Bei der Weiterfahrt begegnen uns viele Touristendampfer, die andere Berufsschifffahrt umfährt ab der Charlottenburger Schleuse auf einem Verbindungskanal den Spreebogen, der durch die Stadtmitte Berlins fließt. Die Fahrt geht weiter vorbei am Schloss Charlottenburg. Viele schöne gepflegte und teilweise aufwendig modernisierte alte Bürgerhäuser stehen an beiden Seiten der Spree und davor große Reihen alter Linden und Kastanien. Nach weiteren 3 Km geht es rechts in den Landwehrkanal, den wir als Alternative zum großen Spreebogen ausgewählt hatten. Wir fahren vorbei an Alt Moabit, dem Hansaviertel mit den Gropius-Bauten und erreichen die Tiergartenschleuse.
Unser Schulsozialpädagoge klingelt gleich zwei mal hintereinander den Schleusenwärter aus seinem Mittagsschlaf, und setzt sich prompt dessen Schipftiraden aus. Wir müssen uns etwas gedulden, aber nachdem sich der Schleusenwärter wieder beruhigt hatte, wurde unsere Gruppe etwa zwei Meter höher in der weiteren Verlauf des Landwehrkanals gehievt. In der Höhe des Charlottenburger Tores unterführen wir die "Straße des 17. Junis". Wir befinden uns jetzt im Zentrum Berlins und sehen um uns fast nur grüne Landschaft. Nach insgesamt ca. 17 Kilometern Fahrstrecke sehen wir erst rechts, und dann auf beiden Seiten des Kanals Käfige und Gehege mit den unterschiedlichsten exotischen Tieren. Wir fahren mitten durch den Berliner Zoo. An der Zoobrücke ist dann nach ca. 18 Km Endstation. Kurz vor der Aussetzstelle hatte man am 15.01.1919 Rosa Luxemburg erschossen im Landwehrkanal schwimmend aufgefunden. Als wir ausstiegen waren wir sehr erstaunt. Nur wenige hundert Meter von der Anlegestelle entfernt, hinter dem Grün des Zoos, ragen die Ruine der Gedächtniskirche und das Europa-Center hervor.
Der Rücktransport der Boote und Personen erweist sich als absolut unproblematisch: Die Buslinie X34 fährt innerhalb von 25 Minuten von der Haltestelle Bahnhof-Zoo direkt nach Spandau-Pichelsdorf. Zwei Teilnehmer holen den Kleinbus mit dem Trailer ab, verladen die Boote, und um 18.00 Uhr sind wir bereits geduscht. Ab 19.00 Uhr wird gemeinsam gegrillt. Die Tageserlebnisse bieten beim und nach dem Essen noch intensiven Gesprächsstoff. Es wird gemeinsam mit dem Referenten hinsichtlich der Zielvorgaben reflektiert.
Dienstag, 30.07.
19.45 Uhr:
Reflexion
der Kanu-Stadttour
Ergebnisse:
Für
überwiegend im Kanusport ungeübte Schülerinnen und Schüler
wäre die gewählte Strecke zu lang. Sie sollte bereits im
Bereich des Stadtzentrums beginnen. Die Schülerinnen und
Schüler sollten bereits einige Vorinformationen zu historischen
Orten erhalten haben, so dass sie diese Orte während der Fahrt
wiederfinden können. Die Schülerinnen und Schüler können auch
bestimmte kleinere Aufgaben spielerisch während der Tour,
einzeln oder in Kleingruppen bewältigen. Eine Anregung ist die
Feststellung der Wassergüte anhand von Sabrobien.
Die Feststellung der Wassergüte anhand von Sabrobien ist eine einfache und zuverlässige Untersuchungsmethode, die man mit Schülern aller Schulformen ohne großen Aufwand bei jeder Kanutour auf Fließgewässern durchführen kann. Man benötigt dazu lediglich ein oder zwei Becherlupen, zwei kleine Borstenpinsel und die Bestimmungstabelle mit den genauen Darstellungen der Sabrobien. Anhand der unterschiedlichen Kleintiere, die sich unter den im Wasser befindlichen Steinen aufhalten, kann man die Gewässergüte relativ genau bestimmen. Dazu hebt man einen Stei in Ufernähe aus dem Wasser und streift die an der Unterseite des Steines befindlichen Kleintiere mit Hilfe eines Borstenpinsels in den halb mit Wasser gefüllten Becher der Becherlupe. Anhand der Tabelle und der abgebildeten Kleintiere können die Schüler nun selbständig die Bestimmung der Wassergüte durchführen.
Die wichtigsten Regeln, Zeichen und Verhaltensweisen auf Schifffahrtsstraßen müssen vorher hinreichend den Schülern erklärt werden; das gilt im besonderen Maße für lernschwache und verhaltensauffällige Schülerinnen und Schüler aus dem BVJ. Ein vorbereitendes Training in den Booten, und eine individuelle Überprüfung der Bootsbeherrschung ist bei der Nutzung von 1er Kajaks unerlässlich. Die Kontakte zu Kanusport treibenden Vereinen und Institutionen und zum Deutschen Kanu Verband ermöglichen die Nutzung deren Fach- und Sachkompetenzen wie z.B. das Finden geeigneter Unterbringungsmöglichkeiten und das Erarbeiten geeigneter Touren. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass sie hierzu auch gerne bereit sind. Ein geeignetes und aktuelles Kartenwerk und die dazugehörige Gewässerbeschreibung sind unbedingte Voraussetzungen.
Gemeinsam mit der Schülergruppe muss im Vorfeld eine Checkliste der benötigten Materialien erstellt, und vor der Abfahrt überprüft werden. Dazu gehören auch Sonnenschutzmittel, Kleidung, Kopfbedeckung, Verpflegung und ggf. Medikamente.
Die gemeinsame sportliche Tätigkeit und die Erfahrung, dass man in vielen Situationen aufeinander angewiesen ist, stärken bei solchen gemeinsamen Erlebnistouren auf dem Wasser das Gruppenempfinden und das gegenseitige Vertrauen - man hat ja nicht ohne weiteres die Möglichkeit, das Boot (die Gruppe) zu verlassen. Der oder die Jugendliche muss sich in der Gruppe durchsetzen, sich ihr anpassen oder in der Lage sein, Kompromisse zu schließen. Er / sie kann sich dem sozialen Umfeld der Gruppe bei Konflikten nicht entziehen. Von daher können auch die gruppendynamischen Prozesse in einer (auf Zeit begrenzten) Zwangsgruppe ziemlich intensiv verlaufen. Die Tatsache, dass man sich dem Wohl der ganzen Gruppe zu unterwerfen hat sollte deshalb bereits im Vorfeld kontraktmäßig mit allen Teilnehmern geklärt sein. Für BVJ-Klassen erscheint diese Vorgehensweise als unerlässlich.
Mittwoch, 31.07.
8.00 Uhr:
Gemeinsames
Frühstück
8.30 Uhr:
Abbau der
Zelte
9.30 Uhr:
Fahrt auf
der Havel zum Grunewaldturm - Erproben verschiedener
Schlagtechniken - Theorie und Praxis beim Erlernen der
Kenterrolle.
12.30 Uhr:
Rückkehr
von der Haveltour, Verladen der Boote.
13.30 Uhr:
Ende der
Fortbildung.
Fazit:
Die Veranstaltung hat den Teilnehmern neue Möglichkeiten eröffnet, wie konkrete Unterrichtsthemen aus verschiedenen Lernbereichen in sinnvoller Kooperation im Rahmen einer erlebnispädagogischen Komponente vermittelt werden können. Auch wurde deutlich, dass solche Methoden kollektiv erprobt und geübt werden sollten, bevor sie zum Einsatz gebracht werden. Die fächerübergreifende Vorgehensweise eröffnet den Lernenden komplexere Sichtweisen, und das "aktive Begreifen" (learning by doing) von Zusammenhängen hat eine vertiefende Wirkung. Ich-, Sach-, und Sozialkompetenz werden gleichermaßen gefördert (s.o.). Die Vorbereitung solch handlungsorientierter Lernsequenzen ist relativ arbeitsintensiv und bedarf guter Recherchen, der Spaß am erlebnisreichen und handlungsorientierten Lernen wiegt dies jedoch vielfach auf.
Besonders angenehm war die Zusammensetzung der Teilnehmergruppe. Sport-, Deutsch-, Politik- und Fachpraxislehrer wären auch gute und sinnvolle Kombinationen für die konkrete Durchführung solcher Projekte, weil sich die unterschiedlichen Kompetenzen der Lehrkräfte gegenseitig ergänzen - hiervon hängt im Wesentlichen die erfolgreiche Durchführung eines solchen Projektes ab.
Barsinghausen, den 01.08.2002
Heribert Giegerich
(Protokoll)